Von Vertrauen und Respekt!


... auf natürliche und "echte" Weise

 

Genau! Eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd geht meiner Meinung nach auch nur, wenn beides gegeben ist.

Zu einem Gesamtbild des Weges zu natürlichem Respekt und Vertrauen bin ich bei meiner Arbeit mit Árvakur - und natürlich auch während meinem Bestreben einer natürlichen Basis zu Vertrauen, Respekt und Zusammenhalt gekommen. Außerdem durch viel selbst geholtem Input über Kurse, Vorträge, Bücher und allem voran sehr viel eigenen Überlegungen zu diesem Thema. Auch bin ich zu meiner Meinung gekommen, welche Ansätze in die falsche Richtung führen.  

Als Ergebnis habe ich nun ein Pferd an meiner Seite, welches den Kontakt zu mir in jeder Weise sucht, gerne viel Zeit mit mir verbringt.... ein Pferd welches gelassen und mit Vertrauen in mich auf neue Situationen zu geht und mit Freude und Neugier mit mir zusammen Neues erlebt. Zugegeben - dieses Zusammenspiel zwischen mir und Árvakur war schon immer in einem gesunden Maß da. Aber angefangen mich mit diesem Thema zu beschäftigen habe ich mich durch meine lange Beschäftigung/Arbeit mit einem anderen Pferd. Dieses Pferd hatte schon recht früh nicht immer gute Erfahrungen gemacht, und hatte dadurch das Vertrauen in die Menschen und die Welt schon etwas verloren. Auch dieses Pferd und ich hielten schnell zusammen, und es suchte in jeder Situation dann deutlich den Kontakt zu mir. Da diese Erzählungen hier aber den Rahmen sprengen würden schreibt mir gerne, wenn ihr mehr wissen möchtet. Nun möchte ich euch an meinen Gedanken, Ansätzen und dem was ich gelernt habe teilhaben lassen. Ich möchte euch für die oben und unten beschriebene Arbeit mit Pferden begeistern, egal welche Vorerfahrung ihr habt. Denn das ist die Arbeit mit Pferden, die mir viel Freude bereitet.

Wie oft ich es in Kursen oder anderen Zusammenhängen erlebe, dass Pferde von ihren (meist) Besitzerinnen vermenschlicht bzw. übertrieben gesagt zu Tode geliebt werden. Wie oft ich höre "Ich will, dass mein Pferd mir vertraut, da kann ich es doch nicht mit Kraft bestrafen.

Um es vorweg zu nehmen... keiner muss/soll sein Pferd schlagen. Keiner darf sein Pferd schlagen, denn keiner gibt einem das Recht ein Pferd zu schlagen. Aber der Mensch muss klare Grenzen setzen, diese konstant einhalten und auch behaupten. Denn die Sicherheit des Menschen/Besitzers geht immer noch vor. Und ich traue mich zu sagen, dass man dafür auch mal grober werden darf als nur am Strick zu zupfen. Denn Pferde untereinander tun es auch nicht anders.

Das Ziel aller Pferdemenschen ist es, eine vertrauensvolle Beziehung zu "ihrem Pferd" aufzubauen, in der das Pferd aus dem Paddok auf mich zukommt, und nur darauf wartet, etwas mit dem Menschen unternehmen zu können. Das ist verständlich, richtig und lobenswert. Leider sitzen die Fehler nur meistens genau auf dem Weg dorthin.

Der Lösungsweg der meisten Menschen (meiner Meinung nach falsch):

Die meisten Leute versuchen das Ziel zu erreichen, indem sie auf das Paddok zulaufen, freudig quiekend nach dem Pferd rufen, und sollte dieses wirklich den Kopf heben, bekommt es eine Menge an Leckerli, eine ausführliche Umarmung, das Halfter an den Kopf und los geht's. Sie erkaufen sich das "falsche Vertrauen" schon an dieser Stelle durch Leckerlis.

Nach der Theorie der klassischen Konditionierung "Pferd geht zum Menschen = Leckerli" bekommt man hier in einzelnen Punkten auch schon die gewünschte Reaktion des Pferdes. Aber mit Vertrauen hat das leider nichts zu tun.

Weiter geht es dann mit der Pferdepflege und der Arbeit. Der hier häufig vermeintlich zielführende Weg sind meist weitere Leckerli, das Beschützen vor und Vermeiden von möglichen Angstsituationen beim Pferd.  

Außerdem sind die beiden Grundprinzipien " Gerte, wenn auch nur als Zeigestab und Handverlängerung, also generell "Nein Danke", und "Mein Pferd darf alles, solange es mich nicht mit Haut und Haaren frisst."

Dass der Mensch auf diesem Weg zum Vertrauen so aber eher zwei Schritte zurück geht als einen nach vorne ist den wenigsten Leuten klar.

Zum Vertrauen kommt der bessere Weg aus der Pferdewelt. Ein Pferd im Herdenverband vertraut generell am meisten der Leitstute, aber auch allen ihm übergeordneten Pferden. Also denen, die es respektiert, weil sie mehr Erfahrung und Durchsetzungsvermögen haben. Es vertraut der Leitstute weil sie Führungsqualitäten zeigt. Diese sind z.B. Lebenserfahrung, gute Einschätzung von Gefahren, selbstbewusstes Auftreten, Aufstellen von Regeln und die Behauptung dieser.

Wichtig!: Die Regeln der Leitstute hat jeder zu befolgen. Wer das nicht tut wird der Herde im Normalfall verwiesen, um den Rest der Herde zu schützen. Da ein Überleben für ein einzelnes Pferd ohne Herde aber fast nicht möglich ist, wird sich jeder an die Regeln halten.

Kurz: Die Herde vertraut der Leitstute, weil ohne ihre Führungsqualitäten und ihre Regeln das Überleben der Herde fast unmöglich wäre. Ohne die Erfahrung der Leitstute würde die Herde Gefahren evtl. unterschätzen, was Lebensgefahr für die ganze Herde bedeuten würde.

Kurz und gut: Was müssen wir tun um das Vertrauen unserer Pferde zu gewinnen? Wir müssen Führungsqualitäten und Lebenserfahrung zeigen, zeigen, dass wir Gefahren gut einschätzen können, und nichts passiert. Wir müssen selbstbewusst auftreten, und Regeln aufstellen, sowie dafür sorgen, dass diese eingehalten werden. Dies auch mal deutlich und mit Konsequenz, Konstanz, sowie deutlich und bestimmt.  

Die Theorie ist einfach... nur wie setzten wir all das im Alltag um?

Führungsqualitäten und Lebenserfahrung zeigen:

Gehe mit "gutem Beispiel voran". Gehe mit aufrechter, selbstbewusster Körperhaltung voran (das kannst du auch außerhalb der Arbeit mit dem Pferd gut gebrauchen) und lasse dein Pferd dir in gewissem Abstand folgen. Sollte das Pferd einmal stehen bleiben, gehe weiter, lasse den Führstrick locker durch deine Hand rutschen, und erst kurz vor dem Strickende zupfst du einmal bestimmt aber freundlich am Strick und forderst das Pferd auf dir zu folgen. Es wird dir sicher folgen. Sollte dir dein Pferd zu nah auf die Pelle rücken bzw. in deinen Individualbereich eintreten (zu Beginn am besten eine Unterarmlänge um deinen Körper) forderst du es ebenso freundlich aber bestimmt mit etwas Druck auf, diesen wieder zu verlassen.

Leistet es der Anweisung Folge, hört der Druck etc. sofort auf. Passiert nichts, verstärkst du den Druck bis die gewünschte Reaktion kommt, um dann sofort zu entspannen und aufzuhören. So wie es die Leitstute in der Herde eben auch tut.  

Zeigen dass du Gefahren gut einschätzen kannst, und dem Pferd in deiner Nähe nichts passiert:

Hier ist es wichtig dass man sich immer sicher ist, auch immer Herr der Lage zu bleiben, um das Pferd immer bei sich halten zu können.

Um diese Stärke zu beweisen, suche dir am Hof, und später auf Spaziergängen, kleine und für dein Pferd augenscheinliche Gefahren, welche eigentlich keine sind. Wie gesagt ist es wichtig, dass du Herr der Lage bleibst und dem Pferd wirklich nicht das Kleinste passiert. Nun gehe ruhig, mit aufrechter Körperhaltung und bestimmt vor deinem Pferd her auf die Gefahr zu. Atme ruhig und tief weiter. Das beruhigt dich und das Pferd. Wechsle auf die Seite deines Pferdes, dass du dich immer zwischen der Gefahr und dem Pferd befindest, um dein Pferd auch symbolisch vor der Gefahr zu schützen. Bleibe so stehen, und lasse das Pferd von selbst Kontakt zur Gefahr aufnehmen. Bis es gelernt hat, dass die Gefahr keine ist, wird es in deinem Schutz stehen bleiben. Nimmt das Pferd Kontakt zur Gefahr auf, gebe ein Leckerli und beruhige. Das Pferd wird von Situation zu Situation lernen, dass du Gefahren gut einschätzen kannst. Es wird dir in Zukunft von Situation zu Situation vertrauter folgen. Das schweißt zusammen.

Komme also langsam aber sicher davon weg vor augenscheinlichen Gefahren zu schützen, sondern suche sie in gesundem Maß und zeige deinem Pferd, dass es in deiner Nähe sicher ist.

Selbstbewusst auftreten:

Beinhaltet bestimmtes und überzeugtes Auftreten, aufrechte Körperhaltung und ruhige Atmung.  

Regeln aufstellen und dafür sorgen dass sie eingehalten werden (Konsequenz und Konstanz)

An zwei Beispielen erklärt:

Das Pferd darf beim Spaziergang nicht unerlaubt fressen? Dann heißt es das auch. Was hier dem MENSCHEN nicht erlaubt ist, das ist Inkonsequenz.  

Das heißt, es darf nicht heute verboten sein, morgen erlaubt, übermorgen wieder verboten und sollte das Pferd es dann doch tun, gibt es eins auf die Nase.

Das gleiche gilt z.B. bei der Individualdistanz. Heute darf mein Pferd mich dauernd berühren, morgen muss es 40cm Abstand halten, und übermorgen darf es sich im Leckerlibeutel selbst bedienen.

Das funktioniert nicht. Mein Partner Pferd muss mich einschätzen können um mir zu vertrauen. Kein Pferd kann mir vertrauen, wenn es nicht weiß was es heute darf ohne bestraft zu werden und morgen für die gleiche Sache eine auf die Nase bekommt.  

Mit dem obigen Absatz sind also schon Konsequenz und Konstanz erkärt.

Ein sehr wichtiger Punkt dazu das Vertrauen unserer Pferde zu gewinnen ist es auch, unser Raubtierverhalten das naturgemäß auch im Menschen sitzt (das Lügen, Betrügen und Täuschen) auszuschalten.

Denn jemandem der lügt, betrügt und täuscht kann ein Pferd nicht vertrauen, weil es in der "Flucht- und Friedtierwelt nicht existiert, sondern den Pferden allenfalls von den Raubtieren bekannt ist, was automatisch nicht zu Vertrauen führen kann.

Kein Pferd muss z.B. einen Grashalm belügen, betrügen oder täuschen um ihn fressen zu können. Nur ein Raubtier muss seine Beute anlügen, betrügen und täuschen, um sie dann fressen zu können. Würde es das nicht tun, würde die Beute flüchten und das Raubtier verhungern. Also besteht im Lügen, Betrügen und Täuschen eine Gefahr für die Pferde. Deshalb müssen wir es in der Arbeit mit Pferden ausschalten. Pferde können lesen wann wir es versuchen. Viele Menschen tun das aber unbewusst. Wenn sich Pferde nicht fangen lassen, laufen sie oft mit verstecktem Halfter hinter dem Rücken zum Pferd, locken es, um dann im letzten Moment das Halfter vor zu ziehen und das Pferd zu fangen. Und genau das tun Raubtiere in ähnlicher Weise. Genau das verspielt Vertrauen.

Um dann auch langsam zum Ende zu kommen nun noch fast der letzte und für mich der wichtigste Punkt.

Die gemeinsame Zeit:

Am meisten Vertrauen bringt auch die gemeinsame Zeit (gemeinsames Herdenleben). Das muss aber nicht immer Arbeit bedeuten. Schnappe dir z.B. dein Pferd, sucht euch eine Wiese und verbringt gemeinsame Zeit beim Grasen. Macht ausgedehnte Spaziergänge oder ähnliches. Den Möglichkeiten sind fast keine Grenzen gesetzt. Auch gemeinsame Zeit bringt Vertrauen.

Nun zum Schluss...

Eines dürfen wir aber nie vergessen. Den Respekt und das Vertrauen, welches wir uns vom Pferd wünschen, müssen wir auch dem Pferd entgegen bringen. Wenn das Pferd einmal keine Lust hat zusammen zu arbeiten o.ä. ist auch das in Ordnung.

Wenn wir Menschen unseren Individualraum wollen, darf auch das Pferd in gewissem Maß seinen Individualraum haben. Das heißt, auch wir dürfen nicht ständig in den Individualraum unserer Pferde eindringen und ihnen Beispielsweise "ungefragt" um den Hals fallen und kleben bleiben.

Wenn das Pferd nach der Arbeit, im Paddok bei uns stehen bleibt, kann gerne noch etwas Zeit miteinander verbracht werden. Aber wenn das Pferd von uns weg in die Herde läuft ist das auch in Ordnung, und wir lassen ihm seine gewünschte Ruhe.